Warum Bücher?

Auf 54books ist ein Artikel erschienen, der auch die Belange der Buchguerilla eng berührt und daher nun auch hier veröffentlicht wird.

Buchguerillo Michael Schikowski

Als Buchguerillo kämpft man nicht allein auf weiter Flur, immer wieder treten Mitstreiter in die Schlacht für das echte Buch mit ein. Als Friedrich Frossman, Mitarbeiter der Arno Schmidt Stiftung, erklärte warum es die Werke Schmidts nicht als eBook geben wird, provozierte er damit einen mittelschweren Shitstorm: konservativ und verstockt, sich dem nicht aufzuhaltenen Fortschritt zu verschließen sei dumm und vermessen, ewiggestrig und in zehn Jahren unfreiwillig komisch, seien seine Aussagen, so die Stimmen gegen ihn.

9783934054592Nun macht sich mit Michael Schikowski erneut ein tapferer Recke auf das Gedruckte zu verteidigen. Der gelernte Buchhändler arbeitet in einem Frankfurter Verlag und ist Lehrbeauftragter der Universität Bonn, gibt die Literaturzeitschrift Non Fiktion mit heraus und veranstaltet Leseabende. Als Autor, Wissenschaftler, Verlagsmitarbeiter und Herausgeber, Verkäufer und Veranstalter von Literatur dürfte er somit in fast alle Bereiche einen Einblick bekommen haben, die von der Digitalisierung betroffen sind. Er kennt die Branche und weiß welchen Gefahren sie ausgesetzt ist. In Warum Bücher? analysiert Schikowski die Chancen und Risiken, die die Digitalisierung für unsere Kulturlandschaft birgt. Weiterlesen

Die Prachtausgaben des jungen Mannes

[Dieser Beitrag ist zuerst bei 54books erschienen.]

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Bei meinem Umzug nach Hamburg fielen mir drei schmale Bücher in die Hände, die vorher in meinem Regal fast verschwunden sind. Sie ähneln sich im Schwarz, Weiß, Rostrot ihrer Prägedrucke und doch hat jeder Band ein anders gestaltetes Titelblatt. Als junger Schüler, vielleicht im Alter von 14 oder 15 Jahren, habe ich in einem Anflug von Wissens- und Weltendurst diese Texte von Nietzsche, Boethius und Seneca* erworben. Ähnlich wie die Romane des Jahrhunderts von Suhrkamp sind diese schmalen Bände einer der frühen Bausteine meiner Liebe zu Büchern; nicht (nur) zu deren Inhalt, sondern in diesem Fall vor allem, Jahre vor dem eBook, zu ihrer Form. Weit entfernt sich mit spärlichem Taschengeld Dünndruckausgaben leisten zu können, griff ich also zu diesem 6-7 € teuren Ersatz. Weiterlesen

Eine Welle der Entrüstung

Friedrich Forssman ist Mitarbeiter der Arno Schmidt Stiftung und er mag keine eBooks. Seine Meinung, bösartig, überspitzt und polarisierend, hat er im Blog von Suhrkamp veröffentlicht. Die Probleme des Verleihens, Verschenkens und Sicherns der eigenen eBook-Bibliothek, der Ausverkauf der Kultur, die Verramschung von Inhalten, ebenso die Mär von höherem Komfort – ein Rundumschlag gegen das Pseudobuch nach unserem Geschmack.

Sodann bietet ein Buch hochwillkommene intuitive Orientierung. Wie dick es ist, wie man vorankommt, das sieht und spürt man im Papierbuch, der Reader kann da höchstens alberne Simulationen liefern. Und Bücher liegen so schön herum und bereit: Man kann sie sich in den Weg legen, man kann einen Stapel neben dem Bett haben, drei im Wohnzimmer und ein Bücherbord auf der Toilette, man kann in jedem Jackett ein Reclamheft stecken haben. Beim Arbeiten kann man so viele Bücher an so vielen Stellen aufgeschlagen herumliegen haben, wie der Schreibtisch beziehungsweise der Fußboden groß ist, und Lesezeichen muß man nicht »verwalten« (unter den Augen von Big Data), sondern man steckt sie einfach dorthin, wo man möchte (und Big Data sich seine Ausspähwut dahin, wo die Sonne nicht scheint).

Der gesamte Beitrag ist hier abzurufen.

#LawAndLit Beitragsübersicht

Bis zum 1.2.2014 war Zeit bei unserem Projekt #LawAndLit mitzuwirken und einen Beitrag einzureichen. Viele haben uns schon erreicht, andere haben eine Fristverlängerung erbeten und daher wird die Liste auch weiterhin aktualisiert.

Folgende Beiträge wurden bereits veröffenlicht:

1. Annegret Harms  “Der Besuch der alten Dame” von Friedrich Dürrenmatt

2. Norman Weiß  “Emilia Galotti” von Gotthold Ephraim Lessing

3. Manuel Schmidtlein – “Der Kaufmann von Venedig” von William Shakespeare

4. Katharina Herrmann – “Der zerbrochne Krug” von Heinrich von Kleist

5. Birgit Böllinger – “Die schwarze Spinne” von Jeremias Gotthelf

6. Andreas Wolf – “Antigone” von Sophokles

7. Anna Overbeck-Witte – “Woyzeck” von Georg Büchner

8. Tobias Witte  “Die Panne” von Friedrich Dürrenmatt

9. Tilman Winterling – “Michael Kohlhaas” von Heinrich von Kleist und “Der kaukasische Kreidekreis” von Bert Brecht

textura – Kleines und Feines von C.H.Beck

Diderot und Co – Konkurrenz zur Insel-Bibliothek?

In diesem Beitrag werde ich einen Blick auf die textura - Reihe des C.H.Beck-Verlags werfen; in Bälde reiht sich Tilman entsprechend ein und bespricht seinen Eindruck der Reihe. Jeweils am Beispiel eines Werkes werden wir der Frage nachspüren, ob diese Reihe kleiner und feiner literarischer Werke es mit vergleichbaren Reihen wie der Insel-Bibliothek aufnehmen kann.

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#LawAndLit: Der zerbrochne Krug

Heinrich von Kleist und ich waren ja länger keine großen Freunde. Den „Michael Kohlhaas“ beispielsweise habe ich dreimal gelesen, allerdings nicht aus Begeisterung, sondern weil ich schlichtweg vergessen hatte, dass ich ihn schon gelesen hatte. Und jedes Mal habe ich mich auch erst am Ende vage erinnern können, das schon mal gelesen zu haben. Auf einen grünen Zweig kamen Herr von Kleist und ich erst mit seinem Lustspiel „Der zerbrochne Krug“ (das fehlende „e“ in „zerbrochne“ ist übrigens kein Tippfehler, sondern die korrekte Schreibung, wenn’s Kunst ist, sind alternierende Schreibweisen nämlich erlaubt).

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Expansion

Die Buchguerilla expandiert!

Nach etwa einem Jahr des Kampfes um das #echteBuch, um die Vorherrschaft der Holzmedien und des hochwertigen Inhalts statt Gestaltwandlerromantik, haben sich die Gründungsgeneräle der Buchguerilla entschlossen, die Revolution durch eine personelle Expansion zu beschleunigen.

Willkommen, Katharina!

Ab sofort werden Tilman und Tobi von der ebenso scharfsinnigen wie diskussionsfreudigen Katharina unterstützt.

Mehr dazu, inklusiver einiger Infos über die Guerilleros und die neue Guerillera, gibt es unter der neuen Seite “Wer wir sind“.

Möge die Revolution nicht mehr allzu lang auf sich warten lassen!

#LawAndLit: Der Besuch der alten Dame – Nr. 1

Annegret Harms war die Erste – kurz vor dem Weihnachtsfest flog ihr #LawAndLit-Beitrag in unsere Mailbox. Das Ergebnis ihrer Befassung mit Dürrenmatts “Besuch der alten Dame” folgt daher ebenso flott auf dem Fuße:

Der Besuch der alten Dame oder Recht und Gerechtigkeit

Claire Zachanassian kehrt nach 40 Jahren als Milliardärin in ihre Heimatstadt Güllen, einem Ort irgendwo in Europa, zurück. Hier lebte sie als Klara Wäscher und wurde von ihrer Jugendliebe Alfred Ill geschwängert und anschließend verlassen.

Die alte Dame will Rache nehmen an Alfred Ill. Daß er sie hat sitzen lassen, empfindet sie als große Ungerechtigkeit. Da es der Stadt Güllen und seinen Bewohnern ziemlich schlecht geht, macht sie das Angebot, der Stadt und den Bewohnern eine Milliarde zu schenken, unter der Bedingung, daß Alfred Ill ermordet wird. Weiterlesen

Zeitung lesen

Ich hadere schon lange mit mir einen Beitrag zu schreiben, den ich in der Kategorie “pro eBook” ablegen muss. Lange hadere ich aber auch schon mit Zeitungspapier und -format.

Als grundsätzlicher Freund der Wochenzeitung, einer Zeitungsgattung, bei der noch Zeit für gute Artikel ist und die mich nicht dem Druck des tagesaktuellen Lesens aussetzt, störe ich mich schon immer am Handlung von ZEIT, FAS und Co. Zu groß fürs Bett, fürs Auto und, falls Sitznachbar vorhanden, auch für den Zug, dagegen zu klein um einen mittelgroßen Thunfisch darin einzuschlagen oder christoesk ein Reihenhaus zu verpacken. Still und heimlich schiele ich daher auf die Anschaffung eines ePaper-Abos einer der großen Wochenzeitungen. Weiterlesen

Wie ich ein eBook las und überlebte

Die eine Hälfte der Buchguerilla, der Tobi von Texte und Bilder, ist dem Sündenfall erlegen und war auch noch so dreist, darüber zu schreiben. Ein Auszug:

“Nervös wie eine Jungfrau öffnete ich meine, wie oben zu sehen, prall gefüllte eBook-Bibliothek (oder, wie es auf Neusprech heißt, die “Library”) und betrachtete das Cover. Leider habe ich kein Retina-Display, aber das geht auf meine Kappe. Die ersten Seiten lasen sich recht flott, und nach kurzer Zeit spielte ich ein wenig mit den Einstellungen rum, stellte dieHintergrundfarbe auf Sepia und veränderte die Helligkeit. Dann las ich weiter und spielte wieder an den Einstellungen rum. So vergingen die Seiten, mal mit umgekehrten Farben (weiß auf schwarzem Grund, epic fail, wie es auf Neusprech heißt), mal mit, mal ohne Sepia.”

Mehr dazu und das Fazit dieses so gar nicht bibliophilen Experiments lest ihr hier.

Keine Angst, die Buchguerilla wird als schlagkräftiges Kollektiv auch künftig darüber wachen, dass derlei Sündenfälle Einzelfälle bleiben und dass das eBook die #echtenBücher nicht ablöst.